Geistiger
Vater der Vincentinerinnen ist der am 24. April 1581 in der Siedlung
Ranquines bei Pouy, Südwestfrankreich geborene hl. Vincenz von Paul, der
dort zusammen mit fünf Geschwistern in kleinbäuerlichen Verhältnissen
aufwuchs.
Die
Eltern Vincenz´ trugen große persönliche Opfer, um ihren Sohn ein Theologiestudium zu ermöglichen, was Vincenz zunächst in der Absicht tat,
eine jener reichen Pfründe zu erhalten, die den Geistlichen damals, einer
moralisch heruntergekommenen Zeit, die auch der Kirche schweren Schaden
zufügte, ein finanziell gesichertes Leben garantierte.
19-jährig
wurde Vincenz am 23. September 1600 zum Priester geweiht. Durch
widrige Umstände geriet er während einer Seereise in türkische
Gefangenschaft und wurde als Sklave verkauft. Zwei Jahre verrichtete er
Sklaven-Dienste, bis er mit seinem letzten Herrn, einem abgefallenen
Christen, den er für die Kirche zurückgewonnen hatte, nach Avignon
gelangte und mit dem päpstlichen Vizelegaten nach Rom kam.
Die
Erlebnisse in der "Berberei" hatten Vincenz wach gemacht für
die Nöte des von Glaubenskriegen, von Unterdrückung und Korruption erschütterten
Frankreich. Die Zeche für die Verschwendung am königlichen Hof, für die
Privilegien des Adels zahlte der bis aufs Blut ausgebeutete kleine Mann.
Am 2. Mai 1612 übernahm Vincenz eine kleine Pfarrstelle in Clichy, dann
wurde er auf Geheiß des Erzbischofs von Paris, Henri Kardinal de Gondi,
Hauslehrer in der Familie dessen Bruders Philippe Emanuel, der
Generalleutnant der Galeeren des Königs war. In Paris erlebte der junge
Priester die Verelendung der Massen, er sah das Heer der Bettler und
Kranken, denen kaum jemand zu helfen imstande war. Ohne Abschied setzte
sich Vincenz am 1. August 1614 von den Gondis ab und übernahm die
verwaiste Pfarrei Chatillon-les-Dombes in der Diözese Lyon. Hier hatte er
ein entscheidendes Schlüsselerlebnis: In einem Haus außerhalb des Dorfes
waren alle Menschen krank und konnten sich nicht helfen. Spontan
organisierte Vincenz von Paul die erste Caritaskonferenz, eine Gruppe von
Frauen, die als "Dienerinnen der Armen" im Wechsel
Pflegedienste, aber auch die geistige Betreuung übernahmen. Auf Betreiben
des Erzbischofs und der Gondis kehrte Vincenz nach Paris zurück, wo man
ihm das Amt des Generalalmosenpflegers der Galeeren antrug und er die
schreckliche Not und Einsamkeit der an die Ruderbänke der Schiffe
geketteten Menschen kennenlernte. Von nun an ruhte er keinen Augenblick,
um ihr hoffnungsloses Schicksal erleichtern zu helfen und die, die
die Galeerenzeit überlebten, zu resozialisieren. Zu diesem Zweck gründete
Vincenz von Paul die "Compagnie du Saint-Sacrement", die
"Vereinigung vom hl. Sakrament".
Auch die Damen der Caritas und ab 1640, die Barmherzigen
Schwestern, dienten den Gefangenen in ihrer trostlosen Verlassenheit. Am
17.
April 1625 unterzeichnete Monsieur Vincent - wie man ihn betitelte - den
Gründungsvertrag für eine eigene Missionsgesellschaft, die "Vincentiner",
die sich nach ihrem Kolleg Saint-Lazare auch "Lazaristen"
nannten; diese Priesterbruderschaft diente vornehmlich der Volksmission,
der Unterweisung des
ungebildeten Volkes in der Glaubenslehre und der Fortbildung der
Geistlichen.
Eine große Bereicherung für das vielfältige Caritaswerk des hl. Vincenz
von Paul war die Hilfe von Louise de Marillac, die nach dem Tode ihres
Gatten sich dem Apostel der Nächstenliebe anschloß und seine Initiativen
mit ganzer Kraft unterstützte.
Ludwig XIII. sowie verschiedene Adlige - wie Madame de Gondi - hatten das
Werk Vincenz von Pauls stets großzügig unterstützt. Nach dem Tode des
Herrschers, als Anna von Österreich anstelle des erst fünfjährigen
Ludwigs XIV. das Land regierte und Kardinal Mazarin ihr Berater war, hatte
Vincenz unter
den Verhältnissen bei Hofe viel zu leiden. Er, der Bauernsohn aus der
Gascogne, durchschaute die
Korruption und verweigerte als Mitglied des "Gewissensrates",
der in kirchlichen Angelegenheiten entschied, die Zustimmung zu dubiosen
Bischofsernennungen. Eine Weile musste er Paris meiden.
An
Malaria erkrankt und beinleidend, erschöpften sich die Kräfte des großen
Caritasmannes zusehends; am 27. September 1660 gab er seine Seele nach
einem rastlosen, dienenden Leben in die Hand des Schöpfers
zurück. Papst Clemens XII. sprach ihn 1737 heilig.
Leitsatz
des Hl. Vincenz von Paul:
“Wir sind berufen, die Güte Gottes
sichtbar werden zu lassen.”
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